Moni Francis berührt die Herzen

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INTERVIEWS | MUSIK | Artikel vom 22.04.2016 | Text von Redaktion

Sängerin Moni Francis berührt die Herzen

Sängerin Moni Francis in ihrem Tonstudio |  Fotos © Redaktion

 

Wir treffen Moni Francis in ihrem gemütlichen Einfamilienhaus aus Holz, vierzig Kilometer süd-westlich von Stuttgart. Die rustikale Fassade lässt nicht vermuten, dass sich im Inneren ein modernes Tonstudio befindet. Hier entstehen neben den Aufnahmen ihrer Gesangsschüler auch die Songs der Band „denkbar“, die sie gemeinsam mit ihrem Partner Oliver Dobisch gegründet hat. Gut gelaunt und energiegeladen begrüßt uns Moni und erzählt bei Kaffee und Kuchen aus ihrem facettenreichen Leben...

 

Erinnerst du dich an deine erste Bühnenerfahrung?

 

Ja, mit sechs Jahren stand ich das erste Mal auf einer Bühne. Das war in einem Saal eines alten Gasthofes. Ich trug ein Gedicht vor und weiss noch genau wie wohl ich mich gefühlt habe. Bei diesem Blick von der Bühne hinunter in das Publikum spürte ich, das ist mein Leben! Die Erinnerung ist so präsent, dass ich sogar noch weiss, dass ich einen roten Rock mit weißen Punkten und eine weiße Bluse trug.

 

Wie bist du zur Musik gekommen gekommen?

 

Mein Vater war Hobbymusiker. Ich habe ihn oft zu seinen Auftritten begleitet. Mit acht Jahren wollte ich ein Instrument lernen, am liebsten Klavier. Dafür hatten wir aber kein Geld. Mein Vater besaß ein altes weißes Akkordeon, das er über den 2. Weltkrieg hinüber retten konnte. Ich besitze es heute noch, inzwischen ist es ganz vergilbt. Etwa vier Jahre lang hatte ich Unterricht, dann war mir dieses Instrument zu „uncool“ und ich fing an auf dem Schlagzeug meines Bruders zu trommeln. Das war aber nicht unbedingt mein Ding. Ich schnappte mir den alten E-Bass meines Vaters, aus den 60er-Jahren und wir gründeten eine Haus-Band. Mein Vater spielte Akkordeon oder Trompete, mein Bruder Schlagzeug, ich E-Bass und sang dazu. Musikalisch war das zwar auch nicht unbedingt meine Richtung, aber ich lernte viel.

 

Mein Bruder gründete dann eine Band, in der ich E-Bass spielte. Die Jungs meinten irgendwann, ich soll singen. Das tat ich und merkte: DAS ist es! Von da an sang ich in verschiedenen Bands mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Das ist sehr wichtig, finde ich. Durch diese vielen Richtungen lernt man seinen eigenen Style zu entwickeln.

 

Und wie kam es zum Plattenvertrag?

 

Bis Mitte der 80er-Jahre hatte ich mehrere eigene Bands. Mit der letzten Band „Angel & The Pack“ spielte ich als Vor-Gruppe der Band „Münchner Freiheit“. Damals hießen wir noch

Club of Rome", mussten uns aber aus rechtlichen Gründen umbenennen. Die „Münchner Freiheit" hatten gerade ihren Hit „Ich steh auf Licht“. An diesem Abend sprach mich ein Produzent an, der aus dem Dunstkreis der Münchner Freiheit kam. Er wollte Probeaufnahmen machen, in dem Studio, das dem Sänger der Münchner Freiheit und ihm gehörte. Das machten wir auch. Der Produzent schickte das Band (damals noch auf Kassette) nach Frankfurt, zu dem Major-Label CBS. Dort waren die "Münchner Freiheit" und unter anderem auch Nena unter Vertrag. Bald darauf kamen einige Herren von der Plattenfirma in unseren Proberaum und wir mussten vorspielen. Das war vielleicht aufregend!

 

Was passierte dann?

 

Es ging Schlag auf Schlag! Wir unterschrieben den heiß begehrten Plattenvertrag, fuhren nach Frankfurt in die CBS-Zentrale, zu Fototerminen, Studioaufnahmen, zum Schneider, waren auf Promotour und promoteten unsere Schallplatte. Wir waren oft im Fernsehen, zum Beispiel bei Jürgen von der Lippe und spielten live. Außerdem waren wir in der BRAVO und anderen Jugendzeitschriften.

 

Alles war furchtbar aufregend und genau DAS Leben, das ich mir schon als junges Mädchen vorgestellt hatte.

 

Es hieß aber auch unheimlich viel zu arbeiten. Es wird einem nichts geschenkt, was viele glauben. Ich musste mir Sätze anhören wie „…dir fällt aber auch alles in den Schoß…“ oder „…du hattest nur Glück…“. Während andere Jugendliche im Sommer am See lagen oder feierten, war ich in miefigen Proberäumen oder in meinem Zimmer und schrieb Songs und Texte. Dieser Satz „er bzw. sie ist über Nacht berühmt geworden“ bedeutet meist, dass man Jahre oder Jahrzehnte lang daran gearbeitet hat.

 

Gab es eine besondere Begegnung?

 

Eines Tages traf ich Udo Lindenberg. Damals war ich ziemlich unerschrocken. Ich las in der Zeitung, dass er für den Song „Hinter dem Horizont“ noch eine Sängerin sucht. In dem Artikel stand auch, dass er zur Zeit in München im Hotel Hilton wohnt. Ich rief kurz entschlossen im Hotel an und bat darum, mich zu ihm durchzustellen. Ich muss so überzeugend geklungen haben, dass ich tatsächlich in sein Apartment durchgestellt wurde ;-) Wir vereinbarten, dass er am selben Abend in den Club kommt, in dem wir ein Konzert spielten.

 

Das Konzert war zu Ende, kein Udo da. Plötzlich ging die Tür auf und da stand ER! Leibhaftig! Udo Lindenberg! Jung und dumm wie wir von der Band damals waren, sagte ich zu Udo, dass wir nun schon fertig seien. Heutzutage würde ich einfach noch mal eine Runde spielen ;-)

 

Ich hab mich dann mit Udo an die Bar gesetzt, wir haben beide Coca-Cola getrunken und uns unterhalten. Wir trugen auch noch beide den gleichen Hut. Das war mein Markenzeichen und

entstand aus einem „Unglück“ beim Friseur. Wir wurden von der Platten-firma aus zum Starfriseur geschickt. Das Ergebnis war für mich so schrecklich, dass ich gesagt habe „so gehe ich nicht ins Fernsehen, wenn, dann nur mit Hut“. Ab da musste ich dann nur noch mit Hut auftreten.

 

Der Barkeeper, an dessen Bar Udo und ich saßen, hat damals ein Bild von uns gemacht. Er hat versprochen es mir zu schicken, was er leider nicht tat. Lieber Barkeeper, wenn du das liest, schicke mir doch bitte dieses Bild zu!

 

Welche Erlebnisse sind dir noch in Erinnerung geblieben?

 

Ein Highlight aus der Zeit war der Auftritt im Pantheon Bonn, zusammen mit Helge Schneider. Ein witziger Typ ;-) Als er in unsere Garderobe kam und „Hallo“ sagte, dachten wir, er sei ein Praktikant vom Sender :-) Interessant waren auch die Shows mit Urban Priol und Henning Venske „Das war’s, war’s das“.

 

Wie ging dein musikalischer Weg nach dieser Zeit weiter?

 

Nach Ende der Band „Angel & The Pack“ trat ich der Frauen-a-cappella-Gruppe „Die Meedels“ bei. Das war damals noch was ganz Neues: Frauen, a-cappella, Comedy, Klamauk, eigene Songs. Das lief super! Wir spielten 80-90 Konzerte im Jahr, oft ausverkauft, wie erhielten mehrere Preise, z.B. den Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis, das Ravensburger Kupferle.

 

Ich kann mich noch genau an einen Auftritt im Münchener Theatron erinnern, das ist eine Seebühne im Olympiapark. Es war schon dunkel, etwa 2000 Besucher da, vor uns der Olympiaturm, nebenan der volle Mond. Ein unglaublich beeindruckendes Bild.

 

Nach 16 Jahren wollte dann jede ihr eigenes Ding umsetzen und wir trennten uns. Danach kam die Rock’n’Roll-Band „Moni Francis & The Bebops“, daraus entstand unsere aktuelle 50ies-Musik-Comedy-Show „Petticoat & Pomade“, zusammen mit Oliver Dobisch. Hier kann ich alles verbinden, was ich zuvor gemacht habe: Rock’n’Roll, Comedy, Klaumauk, Tanz, Kostüme etc.

 

Was möchtest du auf keinen Fall mehr missen?

 

Ich möchte nie mehr ohne Musik sein, so wie damals, während meiner Kaufmanns-Ausbildung. Ich möchte die

Bühne nicht missen. Irgendwann werde ich wohl nicht mehr selbst auf der Bühne stehen, dann würde ich gerne ins Management oder in die Produktion gehen. Aber es müsste immer was mit Musik, Bühne und Kultur zu tun haben. Ich würde auch gerne verstärkt in die Nachwuchsförderung gehen. Es gibt so viele Talente, die einfach jemanden brauchen, der sich im Business auskennt. Man braucht als junger Mensch jemandem, dem man absolut vertrauen kann. Es gibt im Showbusiness viele schwarze Schafe. Ich mag es nicht, wenn Leute gutgläubig verheizt werden. Und natürlich möchte ich meine beiden Kinder und meinen Oli nicht missen :-)

 

Lebst du heute deinen Traum?

 

Mancher würde das vielleicht so bezeichnen. Ich lebe nach dem, was mir mein Inneres sagt. Ich versuche das zu machen, was aus mir heraus will und muss! Jeder hat etwas mitbekommen, ein Talent, eine Begabung, eine Neigung oder Hingabe für etwas. Bei mir ist es die Musik, das Singen, die Bühne.

 

Das Leben bedeutet eine ständige, ich nenn es jetzt mal, Optimierung. Das was war oder ist kann morgen schon nicht mehr stimmig sein. Die eigenen Bedürfnisse ändern sich mehrmals im Leben. Ich höre sehr genau auf mein Inneres und verändere aktiv Dinge, die sich nicht mehr gut anfühlen, was nicht immer leicht ist, man ist ja auch Konventionen ausgesetzt.

 

Was sich aber, seit ich denken kann nie verändert hat, ist die Liebe zur Musik und der Drang, Musik zu machen. Seit ich ein kleines Mädchen war, wollte ich immer nur singen. Ein Tag ohne Musik bzw. zu singen war für mich eine Qual, ich wollte dann auch unbedingt Sängerin werden. Dafür wurde ich oft ausgelacht. Meine Eltern nahmen das zwar nicht unbedingt sehr ernst, haben mich aber machen lassen und unterstützt, solange das mit der Schule einigermaßen funktionierte.

 

Auf Drängen meiner Eltern habe ich eine „vernünftige“ Ausbildung gemacht, was Kaufmännisches, obwohl ich lieber eine Musikausbildung machen wollte. Ich habe aber jede freie Minute mit Musik verbracht. Dafür habe ich gekämpft und musste natürlich auch Opfer bringen. Dafür lebe ich aber jetzt ein Leben, das sich für mich stimmig und gut anfühlt. So gesehen lebe ich meinen Traum. Was aber nicht heißt, dass alles easy und ohne Probleme läuft.

 

 

Welche Botschaft kannst du an die Leser weitergeben?

 

Wie gesagt, jeder hat mit der Geburt etwas mitbekommen, ein Talent, eine Begabung. Man kann das oft schon bei kleinen Kindern erkennen, leider verliert sich das meistens im Zuge der Erziehung, Schule etc.

 

Es lohnt sich, tief in sich hinein zu hören und zu erkennen bzw. auch anzunehmen, was man mitbekommen hat. Man muss es ja nicht gleich zum Beruf machen, aber wer sein Talent auslebt, der ist ausgeglichener, glücklicher, den kann so schnell nichts aus der Bahn werfen.

 

 

Liebe Moni, vielen Dank für das Gespräch, deine Geschichten, den leckeren Kaffee und Kuchen :-)

 

 

 

Weitere Informationen über Moni Francis sowie die kommenden Tour-Termine, findet ihr auf ihrer Website. Klickt dafür auf folgenden Banner:

 

 

Zur Person:

Moni Francis wurde in Olching bei München geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zur Musik und stand bereits mit sechs Jahren auf der Bühne. Später folgten zahlreiche Bandprojekte, die zum Teil in ihrer Heimatregion größeren Bekanntheitsgrad erlangten. Bei einem ihrer Auftritte wurde sie von dem Produzenten Dieter Erdmann „entdeckt“ und bekam bald darauf einen Plattenvertrag. Es folgten erfolgreiche Jahre im Kabarett- und Kleinkunstbereich, viele Auszeichnungen, Radio- und TV Auftritte. 2006 lernte die zweifache Mutter, Oliver Dobisch kennen. Gemeinsam treten sie heute mit ihrer Motivationsshow

Starte dein Leben" und der 50er-Jahre-Musik-Comedy-Show „Petticoat & Pomade" auf.


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